Die Geheimsprache der Teenager in Chats und Apps – diese Begriffe sollten Eltern kennen

Wer als Vater oder Mutter froh ist, bereits zu wissen, was „lol“ (laughing out loud – laut lachen) oder „rofl“ (rolling on the floor laughing – sich vor lachen auf dem Boden wälzen) bedeutet, ist eindeutig in der Vergangenheit unterwegs.

Die Teen-Sprache hat sich in Zeiten von Whats App, Messenger und Threema nochmal deutlich weiterentwickelt. Ganz selbstverständlich nutzen Jugendliche die Kommunikationsmöglichkeiten und haben dafür eine Art Geheimcode entwickelt, der sich schnell verbreitet und als cool gilt.

Wer den Geheimcode nicht kennt, wird mit einer Nachricht wie

Hey, 99 CU46 DTF

nichts anfangen können. Dabei ist das die direkte Einladung zu einem ungestörten Sex-Date beim Verfasser.

Übersetzt heißt der Code „Hey, wir können uns jetzt bei mir treffen und Sex haben, meine Eltern sind weg. Ich will auch nur Sex von Dir.“

Eltern sollten sich deshalb auch mal diese Abkürzungen ansehen, die jetzt von Großbritannien nach Deutschland rüberschwappen. Wie auch bei den bekannteren Abkürzungen basieren auch die neuen Codes auf der englischen Sprache…

GNOC – Get naked on camera (zieh Dich vor der Webcam aus)

DOC – Drug of choice (Droge der Wahl)

CU46 – See you for sex (Lass uns zum Sex treffen)

PTFO – Passed the f*** out (ohnmächtig geworden)

PIR – Parent in room (Eltern im Zimmer)

PR0N – Pornography (Pornografie)

9 or CD9 (for ‘Code 9′ – Parent watching (Eltern schauen zu)

99 – Parent gone (Eltern sind weg)

DTF – Down to f*** (will nur Sex)

FML – F*** my life (Scheißleben)

SUGARPIC – Erotic or naked photo (Nackt- oder Erotikfoto)

MIRL – Meet in real life (Lass uns real treffen)

WTTP – Do you want to trade pictures? (Möchtest Du Bilder tauschen?)

RCs – Legal highs or ‘research chemicals’ – often dangerous drugs traded online (im Labor hergestellte Drogen)

LH6 – Let’s have sex (Lass‘ uns Sex haben)

KPC– Keeping parents clueless (Den Eltern etwas vormachen)

IPN – I’m posting naked (Ich schreibe nackt)

Ich habe in den vergangenen zwei Jahren als App Experte mehrfach Interviews zum Phänomen „Sexting“ gegeben. Hier werden unter Freunden und Pärchen Nacktfotos über MMS oder Chat-Apps getauscht – oft mit schlimmen Folgen. Nicht jeder respektiert das Vertrauen, welches in ihn oder in sie gesetzt wurde, wenn solch private Bilder verschickt werden. Und schnell tauchen die Bilder auf ganz vielen Mobiltelefonen auf oder werden im Internet auf einschlägigen Seiten anonym gepostet. So eine Verbreitung aufzuhalten, ist nicht möglich.

So ein Selbstportrait ist in Zeiten von Sexting sicher noch harmlos. Aber möchte man, dass ein solches Bild überall auf einschlägigen Internetseiten auftaucht? (Foto: Dan Race - fotolia)
So ein Selbstportrait ist in Zeiten von Sexting sicher noch harmlos. Aber möchte man, dass ein solches Bild überall auf einschlägigen Internetseiten auftaucht? (Foto: Dan Race – fotolia)

Und selbst auf vermeintlich sichere Apps, die vorgegeben, die Bilder zu zerstören, kann man nicht setzen, wie ich in einem Artikel im Februar 2014 nachgewiesen habe.

Deshalb hilft hier nur, die Jugendlichen auf die Gefahren hinzuweisen und ihnen zu erklären, dass digitale Fotos ganz leicht weitergegeben werden können. Selbst wenn es jetzt erste Gefängnisstrafen in Großbritannien und USA für Verbreiter solcher Nacktfotos gibt, ist die Entwicklung hier noch am Anfang.

In Deutschland gibt es kein spezielles Gesetz gegen die Verbreitung solcher Bilder oder Filmchen. Betroffene können sich bei unerlaubter Verbreitung ihrer Bilder auf Paragraf 33 Kunsturhebergesetz berufen. Dieses Gesetz schützt das Recht am eigenen Bild und bestraft den Täter oder die Täterin mit bis zu einem Jahr Gefängnis oder Geldstrafe.

Allein schon das Aufnehmen von erotischen Bildern per Smartphone oder Digitalkamera kann bereits ein Risiko bergen. So wurden in 2014 Nacktfotos von Prominenten, die Hackern bei einem Angriff auf die Apple Cloud iCloud in die Hände gefallen waren, im Internet verbreitet. Die Speicherung in der Cloud passiert automatisch, wenn man sie generell aktiviert hat.

Und bei Digitalcameras besteht das Risiko, dass eine Speicherkarte gestohlen oder verloren wird. Selbst gelöschte Dateien lassen sich ohne Probleme wieder herstellen und dann verbreiten. Pikant: Die Digitalcameras speichern Zusatzinformationen in den Bild-Daten, mit denen sich sogar der Aufnahmeort auf wenige Meter genau extrahieren lässt. Was das unter Umständen bedeuten kann, muss nicht extra ausgeführt werden.

Es gilt also, das Bewusstsein für die Gefahren bei den Jugendlichen aufzubauen und ihnen verständlich und nachvollziehbar zu erklären, dass Vorsicht allein im eigenen Interesse vor den Risiken moderner Kommunikation schützt.

 

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