Danke, Axel Gronen

Gerade erst erfahre ich, dass mein Freund Axel Gronen sich vorgestern das Leben genommen hat. Nach dem ersten Schock und der eher ungläubigen Suche, ob das alles vielleicht doch ein Fake ist, wächst die Erkenntnis, dass es stimmt.

Axel war für viele der „ebay-Pabst“, der grimmige Kämpfer gegen Massenabmahnungen und launischer Redner auf Händlerveranstaltungen. Oft war er auch derjenige, der als erster auf Sicherheitslücken bei ebay, auf Abmahnrisiken bei amazon und auf Fallen für Verkäufer und Käufer auf Marktplätzen allgemein hinwies. Seine Seite Wortfilter.de kennt jeder, der im eCommerce tätig ist und sie hat vielen mit der richtigen Info zur richtigen Zeit geholfen.

Der Erfolg mit seinem Expertenwissen und die leicht verständliche Art, dieses in Vorträgen oder in Fernsehauftritten rüberzubringen, haben den Ruf von Axel Gronen national geprägt. Eine grafisch sehr einfach gestaltete Seite mit dem Fokus auf aktuell recherchierte Inhalte und Empfehlungen, wie Wortfilter es war, konnte überzeugen. Dabei war Axel nicht mal Journalist, sondern ein klassischer Quereinsteiger.

Für mich ist Axel Gronen ein verlässlicher Freund. Ich weiß garnicht mehr genau, wann und wie wir uns kennengelernt haben. Aber ich weiß, wann wir enger zusammen kamen. Das war nach dem Start von amprice. Obwohl Axel bekannt dafür war, den Neugründungen im Bereich Marktplätze sehr kritisch bis ablehnend zu begegnen, war das bei uns anders.

Tatsächlich unterstützte er uns, wo er konnte. So konnten wir – ohne dafür zu zahlen – zu diversen Wortfilter-Stammtischen kommen und dort amprice vorstellen, neue Kontakte schließen und in die Szene tiefer eintauchen. Ich erinnere mich an mehrere Szenen bei diesen Stammtischen, wo ich Axel sehr dankbar war. Weil er uns sehr fair und realistisch eingeschätzt und trotzdem empfohlen hat.

Beim Wortfilter-Stammtisch in Hannover war auch ein Redakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung dabei, der mit Axel und dem eBay Pressesprecher sprach und am nächsten Tag einen Artikel veröffentlichte, der sehr positiv über amprice ausfiel und ebay in der Krise sah. ebay habe Angst vor amprice war eine der Aussagen. (genutzt hat es natürlich dann final doch nichts)

amprice Vortrag beim Wortfilter Stammtisch in Hannover. Axel (vorne links)  hört sich meinen Vortrag an.
amprice Vortrag beim Wortfilter Stammtisch in Hannover. Axel (vorne links) hört sich meinen Vortrag an.

Axel war einer der wenigen, die verstanden hatten, dass wir Verantwortung übernehmen wollten, das unsere Händler und gewerblichen Anbieter geschützt sein sollten. Als wir als erste Widerrufsbelehrung und Anbieterkennzeichnung einführten, bezogen wir von den gewerblichen Anbietern Prügel. Wie blöd das war, wusste Axel genau so gut wie ich. Unseren „David gegen Goliath“ Kampf fand er spannend, wenn er auch nur eine geringe Chance für ein deutsches Start-Up sah, in diesem Markt die Größe zu erreichen, die für den Erfolg nötig ist.

Viele Fragen, viele Antworten. Axel Gronen im Gespräch mit mir.
Viele Fragen, viele Antworten. Axel Gronen im Gespräch mit mir.

Ich erinnere mich an das Sellerforum auf Mallorca, wo ich mit anderen zusammen Zeit mit Axel verbringen konnte. An seinen Spaß mit den Fake-Uhren (er kam vom Strand zurück und hatte einem Händler für einen lächerlichen Preis über 20 Uhren, Ketten, Hüte und Schals abgeschwatzt und präsentierte die Uhren stolz am ganzen Arm).

Axel stellte sich auch nicht nur einmal selbstlos zur Verfügung, wenn Venture Capital-Geber eine Expertenmeinung zu amprice hören wollten. Sein Tenor dabei „wenn es einer schaffen kann, dann die…“ Aber auch das reichte nicht.

Das Ende von amprice begleitete Axel in freundschaftlicher Art. Er kannte die Investorengeschichte mit der Finanzierungslücke und konnte das „aus“ so richtig einordnen. Und so beteiligte er sich auch nicht an der Häme und dem Spott sowie dem „das haben wir doch immer gewusst“ Gerede und Geschreibe.

Ich war ihm sehr dankbar für seine Begleitung und habe ihm das auch gesagt.

Auch nach 2010 blieben wir in Kontakt, er freute sich, dass ich im App-Markt Fuß gefasst hatte und als App-Experte gefragt bin. Wir tauschten Erfahrungen mit Fernsehanfragen und -interviews aus und sprachen auch über unsere privaten Situationen und Herausforderungen.

Bei unserem letzten Telefonat lud ich in ein, mal vorbeizukommen, wenn er in der Nähe sei. Leider ist es dazu nicht mehr gekommen.

Ich werde Dich vermissen, Axel. Und ich bin traurig, dass wir in den letzten Monaten nicht mehr miteinander gesprochen haben, aber ich freue mich über die Erinnerungen an Dich, denn die bleiben.

Ich freue mich über Kommentare