Fünf Jahre App Store – ein ganz persönlicher Rückblick

5 Jahre App Store
Die Erfindung und das rasante Wachstum des App Stores von Apple haben mein Leben in einer Weise beeinflusst, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Heute arbeite ich parallel mit mehreren Landes-App Stores, empfehle Apps auf unseren Seiten, gebe Interviews und empfehle Apps im Fernsehen. Dabei versuche ich auch, die „Wild-West“-Auswüchse im App Store zu bekämpfen und spreche manchmal auch Warnungen aus.

Am 10. Juli 2008 startet der App Store in 62 Ländern mit 500 Apps für iPhone und iPod Touch. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade einen Vertrag für die Finanzierung meines Start-Ups unterschrieben, der die bisher von einem motivierten Team geleistete Arbeit nun in einem Roll-Out groß machen sollte. Dass wir einem Betrüger aufgesessen waren, wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Die Eröffnung des App Stores hatte ich mitbekommen und habe daher eine innovative Marktplatz-App in den Business-Plan aufgenommen.

In den Folgemonaten waren wir mit der Schaffung eines neuen Marktplatzsystems beschäftigt, die Tage waren lang, die Nächte kurz. Das Start-Up wuchs innerhalb weniger Wochen durch Übernahmen und Einstellungen auf über 360.000 Nutzer und zeitweilig über 30 Mitarbeiter.

Das neue System sollte eine Entsprechung auf dem iPhone haben – mit Marktplatz, Auktionen, Flohmarkt, Tauschhandel und Ausschreibung. Das waren ziemlich viele Funktionen auf einmal. Der Prototyp der App war im Sommer 2009 fertig, da hatte Apple gerade den Milliardsten Download einer App gemeldet. Mit unserer App konnte man ganz einfach einen Artikel fotografieren, das Bild zuschneiden, ein paar Sätze dazu schreiben und der Artikel wurde in der App und im Internet angeboten. Super clean und super einfach. Man hatte über die App aber auch Zugriff auf über eine Million Artikel aller Kategorien.

Im Spätsommer 2009 hatte sich gezeigt, dass unser Investor gar kein Geld hatte (und die Teilbeträge, die anfangs kamen, geliehen waren). Er hatte unser Start-Up eigentlich nur für einen großen Börsenbetrug nutzen wollen. Da ich das verhindert hatte, musste die Firma sterben. Die vereinbarten Zahlungen stockten erst, dann wurden Anteile erpresst und gedrückt und verhandelt und gekämpft. Es war schrecklich. Ich machte mir Vorwürfe, denn ich war (mit meinem Team) auf die Schmeicheleien und die erhoffte Bestätigung eines Betrügers reingefallen.

Unsere App habe ich beim Eigenkapitalforum 2009 der Deutschen Börse in Frankfurt vorgestellt – zusammen mit unserer Online-Basis. Das war nur leider nicht zur rechten Zeit. In vielen Gesprächen gab es immer wieder Zweifel, dass die Appeconomy nachhaltig wäre. Man sah das nur als Strohfeuer, denn das Mobiltelefon sei auch als Smartphone doch immer noch in erster Linie ein Telefon. Zeitgleich verkündet Apple den 2 Milliardsten Download.

Ich erinnere mich noch gut an diese Tage – und an unsere Hoffnung genau zum richtigen Zeitpunkt das richtige Produkt geschaffen zu haben. Doch die Investoren sahen keinen App-Markt. Als Angry Birds am 12. Februar herauskommt, zerplatzt kurz danach unser Traum und alles, wofür wir hart gearbeitet haben, da eine zugesagte Finanzierung nicht kommt.

Zur Promotion der nun hinfälligen Marktplatz-App hatte ich ein paar Internetadressen privat registriert. Die waren nun eigentlich hinfällig, oder doch nicht? Ich setzte auf eine der Adressen ein Blog, schrieb Ende Januar 2010 den ersten Artikel. App-kostenlos.de war geboren. Teils als Ablenkung, aber auch aus wirklichem Interesse und der Begeisterung über die Angebote, schrieb ich jeden Tag mindestens einen Artikel über eine kurzfristig kostenlose App. Die Tragweite dieser Geschäftsidee war mir damals nicht bewusst.

Am 3. April 2010 erschien das iPad. Ein Produkt, das keiner brauchte, aber jeder wollte. Innerhalb weniger Monate nach dem Start im Januar 2010 hatte ich auf app-kostenlos.de eine Million Besucher pro Monat auf der Seite. Wenn ich eine App vorstellte, war diese automatisch in den Top 10 der App Store Charts.

Unsere Seite App-des-Tages.com geht im April 2010 an den Start und stellt pro Tag nur eine redaktionell ausgewählte App vor. Gefolgt wird sie Anfang Juni 2010 von Deutsche-Apps.de, die ausschließlich deutsche Apps vorstellt und schnell ebenfalls ordentlich Leser gewinnt.

Am 7. Juni 2010 meldet Apple 5 Milliarden Downloads, 225.000 Apps sind zum Download verfügbar. Ich schreibe weiter jeden Tag zwei oder drei Artikel zu Apps. Immer häufiger bekomme ich Mails und Anrufe von Entwicklern, die unbedingt ihre App vorgestellt haben möchten oder Rat suchen.

Paralell entwickelten sich zahlreiche Nachahmer-Produkte für app-kostenlos. Die meisten verschwanden nach kurzer Zeit wieder, aber andere investierten viel Kraft und zuweilen auch viel Geld und bauten ihre Imperien in diesem noch jungen Markt.

Am 30. Januar 2011 erscheint der erste Beitrag auf Apps-free.co.uk, dem englischen Pendant zu App-kostenlos.de.

Anfang 2011 wird die App Beratung aus unserer PR-Agentur ausgegliedert: Die App Agency entsteht, als Beratungs- und Entwicklungsunternehmen für Apps, als Werbe- und PR-Agentur für App-Herausgeber. Der App Store hat mittlerweile 10 Milliarden Downloads erreicht. Wir engagieren uns international. Kunden kommen aus Deutschland, der Schweiz, Tschechien, UK, Russland und USA. Wir helfen bei Entwicklungsprojekten, schreiben App Store Texte, machen Push-Kampagnen und bauen uns ein Netzwerk von Partnern auf, mit dem wir weiter wachsen können. App Agency eröffnet ein kleines Büro im Londoner Stadtteil Canary Wharf. Wir starten app-kostenlos.at, den österreichischen Ableger des deutschen Blogs. Dennoch bleiben wir recht klein, denn die Erfahrung aus dem anderen Startup nagt noch immer an mir.

Von September 2011 bis April 2012 haben wir unter heftigsten Hacker-Angriffen zu leiden. Durch eine Sicherheitslücke in einem gekauften WordPress-Layout waren Hacker auf unseren Hauptserver gelangt und hatten in den über 500.000 Dateien versteckte Zugänge angelegt. In der Folge wurden sämtliche Seiten im 2-Wochen Rhythmus komplett zerstört. Eine Erfahrung, auf die ich gut hätte verzichten können.

Am 5. März 2012 meldet Apple den 25 Milliardsten Download einer App. Ich habe noch immer die Aussagen der ach so schlauen Investoren und Venture Capital Manager in den Ohren, die im App Markt keine Zukunft sahen. Ein fataler Irrtum. Mittlerweile rennen sie wieder jedem, der das Wort App richtig buchstabieren kann, mit Geldsäcken unterm Arm die Türen ein.

Doch auch trotz der App Leuchttürme Angry Birds, Temple Run, Fruit Ninja oder Draw Something ist der starke Wettbewerb im App Store nicht mehr zu übersehen: Die allermeisten Apps werden kaum geladen und nur wenigen Entwicklern gelingt es, die Nutzer dauerhaft zu fesseln und zu Stammnutzern aufzubauen. Es gibt eine Zweiklassen-Gesellschaft im App Store. Die wenigen Erfolgreichen und die große Masse.

Wer erfolgreich sein will, muss einige Punkte erfüllen, die offenbar viele App Entwickler und App Herausgeber nicht kennen. Wer heute noch in die App Store Charts kommen möchte, braucht Werbe- und PR-Unterstützung und professionelle Texte. Wir beobachten, dass die Charts in vielen Kategorien von Empfehlungs-Apps beherrscht werden, die für ihre Tagesempfehlung gerne auch bis zu 25.000 Euro pro Tag berechnen, aber dafür das Auffallen garantieren.

Es lohnt sich, die Aktionen der großen Spielehersteller zu beobachten. Die hatten bereits in 2010 mit ihren Preisaktionen begonnen. Als es sich herumsprach, dass es sich bezahlt macht, Apps kostenlos anzubieten und dann Spielinhalte oder notwendige App-Funktionen zu verkaufen, als so genannte In-App-Käufe, macht sich eine neue Goldgräberstimmung breit. Unter dem Protest der Nutzer werden mehr und mehr Apps entwickelt, die man zwar kostenlos laden kann, die aber zur vollen Funktion oder zum frustfreien Spielerlebnis den Kauf von Inhalten verlangen. Das System setzt sich mehr und mehr durch, nicht zuletzt deshalb, weil gut 5 bis 10 Prozent der Spieler oder Nutzer tatsächlich die In-App-Käufe wahrnehmen. So lässt sich deutlich mehr Geld verdienen, als wenn das Spiel oder die App 5 Euro kosten würden.

Verrückt dabei: Eine App für 5 Euro wird wesentlich weniger geladen, als eine kostenlose App, die für den vollen Funktionsumfang oder das bessere Spielerlebnis nochmal in Etappen 20 Euro nachverlangt.

Ende März 2012 schließt App Agency das erste volle Geschäftsjahr mit Gewinn ab.

Am 25. Mai 2013 geht bei uns App-kostenlos.ch an den Start. Während der deutsche und der österreichische App Store in weiten Teilen identisch ist und die gleichen App-Empfehlungen ausspricht, wird der schweizer App Store von einem anderen Team betreut. Und doch sind die Preissenkungen ja meist international, so dass App-kostenlos.ch oft die Artikel aus Deutschland mit leichten Anpassungen übernehmen kann.

Am 5. Juni 2013 erreicht App-kostenlos.de den 20 Millionsten Besucher, über 3000 Leser lassen sich täglich per Newsletter über unsere Artikel informieren. Ich habe seit 2010 über 3000 Artikel zu Apps geschrieben, war als App Experte im Fernsehen, habe wohl gut 7000 Apps selbst getestet. Allein auf App-kostenlos.de ergab das im Schnitt 18.000 Leser pro Tag oder 6,6 Millionen im Jahr – der App Store hat mit 50 Milliarden Downloads bereits am 16. Mai 2013 ebenfalls eine neue Bestmarke gesetzt. 850.000 Apps sind im Store, darunter 350.000 für das iPad. Ist der Markt deshalb gesättigt? Nein, noch lange nicht.

Und der App Store wird weiter wundersame Erfolgsgeschichten ermöglichen, wie der des Ehepaares, das mit Temple Run ein neues Spiel-Genre erfand und mittlerweile finanziell und konzeptionell in einer anderen Liga spielt.

Mittlerweile habe ich über 5.000 Apps berichtet, mir dafür rund 10.000 Apps intensiv angesehen, viele Apps vor ihrem Start im App Store getestet, weiteren die App Store Präsentationstexte geschrieben, beratingsresistente Entwickler erlebt, App-Projekte angefangen und beendet und so manchem dabei geholfen, deutlich mehr Nutzer zu gewinnen. Ich war mehrfach im Fernsehen als App-Experte, habe Vorträge gehalten und mich intensiv in der Szene bewegt.

Aktuell arbeite ich an der Weiterentwicklung unserer Angebote und hoffe, schon bald mehr dazu sagen zu können. Es ist und bleibt spannend. Schließen möchte ich mit einem Dank an Apple und mit der Gratulation zu diesem Erfolg. Auf die nächsten Jahre und viele interessante Entwicklungen!

 

 

 

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