Werbung für Blogs – oder willkommen im Sumpf der Online-Werbeagenturen

Als Blogbetreiber möchte oder muss man mit seinen Blogs auch Geld verdienen. Der Blogger lebt schließlich nicht vom Geklapper seiner Tastatur. Und die viele Arbeit, die in einem gut gepflegten Blog steckt, macht schließlich nicht jeder als Hobby.

Genau das denken aber die Nepper, Schlepper und Bauernfänger der Online-Werbeagenturen, die fleissige Blogbetreiber in Massen bestürmen und dabei Versprechungen machen, die sie nie vorhaben auch einzuhalten.

Oft versuchen Online-Werbeagenturen die Publisher auszunutzen, indem sie für die Einblendungen fast nichts bezahlen - das Budget des Kunden wird unter den Agenturen aufgeteilt - für die, die die tatsächliche Werbeleistung erbringen, bleibt kaum etwas übrig. (Abbildung: CG - Fotolia.com)
Oft versuchen Online-Werbeagenturen die Publisher auszunutzen, indem sie für die Einblendungen fast nichts bezahlen – das Budget des Kunden wird unter den Agenturen aufgeteilt – für die, die die tatsächliche Werbeleistung erbringen, bleibt kaum etwas übrig. (Abbildung: CG – Fotolia.com)

Die Tricks der Werbeagenturen

Man wird am Telefon so lange bequatscht, bis man der Agentur einen Platz auf der Seite testweise zur Verfügung stellt. Man solle doch Google-Werbung (AdSense) komplett von der Seite nehmen und durch den Code der Agentur ersetzen. So würde man am Monatsende mindestens das Doppelte verdient haben.

Besonders beliebt: Wenn Sie uns die Seite exklusiv geben, dann gibt es noch einen Bonus. Mindestvertragszeit: 12 Monate. So stehts zumindest im Kleingedruckten, nachdem die Telefondame noch gesäuselt hatte, dass man die Exklusiv-Vergabe jederzeit stoppen könne.

Vorhin habe ich mit einer solchen Agentur gesprochen. Die hatten mich genau mit den üblichen Maschen geworben:

  • Nur hochwertigste Kampagnen
  • Kampagnen, die zum Inhalt der Seite passen
  • Hohe TKP-Preise
  • Wir sind besser als Adsense von Google
  • persönliche Betreuung der Seite durch einen Account-Manager

Ich hatte mir das ein paar Monate angesehen und festgestellt, dass die Preise „unter aller Sau“ niedrig waren. Nach nur etwa einem Jahr, den der Account jetzt brach liegt, ist das wohl jetzt mal dem „Account Manager“ oder besser Praktikanten aufgefallen.

Und so kommt eine Mail von denen:

Hallo Markus,

ich habe mir eben Ihren Account angeschaut und gesehen, dass Sie seit einiger Zeit keine AdImpressions mehr liefern.
Da wollte ich Sie fragen, ob Sie weiterhin an einer Vermarktung interessiert sind.
Wir haben momentan einige schöne Kampagnen im Angebot, die ich Ihnen gerne ans Herz legen würde, da sie auch zu Ihren Seiten gut passen.
Gerne können wir auch zusammen schauen, wie wir die Performance optimieren können.

Freue mich auf Ihr Feedback!

Beim Email-Aufräumen sah ich diese Mail heute und habe spontan da angerufen, um mich mal zu erkundigen, was man denn nun anzubieten habe. Denn das Mail klang ja vielversprechend. Also bietet der Publisher-Kunde nun der Agentur die Möglichkeit, ihr Können zu zeigen.

Zur Illustration habe ich den Code der Agentur für einen 300 x 250 Banner in die Seitenleiste eingebaut und möchte jetzt sehen, ob es passende Kampagnen gibt. Meine Seite ist im Bereich Telekommunikation und Apps spezialisiert.

Der Testbanner startet sofort – und zeigt Werbung für Autoscout24. Das hat nun mal garnichts mit dem Inhalt der Seite zu tun. Also rufe ich jetzt den Unterzeichner der Mail an, der nur mit Vornamen unterschreibt.

Ich machs mal kurz: Der Herr am Telefon bot nach langem Marketinggeschwätz  Restplatzkampagnen für 20 Cent pro 1000 Einblendungen an. Das ist die absolute  Resterampe der Online-Werbung. Der Tiefpunkt, das unterste Niveau. Mit rund 10.000 Einblendungen pro Tag (und das ist für einen Blog schon recht überdurchschnittlich) erhalte ich dann 2 Euro, im Monat wären das bei 300.000 Einblendungen immerhin 60 Euro.

Was er nicht begreifen konnte oder wollte, ist dass ein Blogger von diesen Centbeträgen nicht mal seinen Webspace bezahlen kann, geschweige denn für seine Recherche und die von ihm geschriebenen Beiträge eine zumindest annehmbare Entschädigung erhält. Stattdessen machte er den Eindruck, dass er hier ein wirklich tolles Angebot für mich hätte.

Das Problem liegt darin, dass die Leute, die diesen Dreck verkaufen, sogar glauben, dass das ein gutes Angebot sei. Sie sind tatsächlich davon überzeugt, weil ihnen das jemand so gesagt hat. Und weil sie nicht selbst nachdenken.

Ein weiteres Problem liegt darin, dass diese Agenturen „ihre Kampagnen“ von anderen Agenturen kaufen, die die zum Teil von wiederum anderen Agenturen kaufen. Und so kommt dann folgende Rechnung dabei raus:

Der Kunde zahlt für 1000 Ad-Impressions (Einblendungen) 1,50 Euro. Davon nimmt sich die erste Agentur 50%. Bleiben 0,75 Euro. Dann nimmt sich die zweite Agentur nochmal 30 Prozent. Bleiben 0,52 Euro. Und die dritte Agentur nochmal 30%, bleiben final für den, der die Leistung erbringt 0,36 Euro.

Und das wäre dann laut der Agentur, mit der ich heute gesprochen habe,, schon eine außergewöhnlich gute Kampagne. Denn mir boten sie gerade mal 20 Cent pro 1000 Einblendungen.

Die Autoscout-Anzeige war so ein Beispiel – die kam von einer anderen Agentur. Und dann gab es auch noch den Fall, wo Adsense-Werbung eingespielt wurde. Nur dass dieses Mal die Agentur mindestens 30 Prozent von dem Betrag einbehält, den Google sonst mir direkt ausgezahlt hätte. Wie man damit die Auszahlungen von Google erhöhen will, ist mir schleierhaft.

Der Ton wurde dann von beiden Seiten etwas schärfer und endete damit, dass ich meinen Account gekündigt habe. Der Herr am Telefon wollte nämlich nicht verstehen, dass auch in seiner Mail wieder etwas versprochen wurde, was er tatsächlich nicht zu bieten hat. Zitat aus seinem Mail: „Wir haben momentan einige schöne Kampagnen im Angebot, die ich Ihnen gerne ans Herz legen würde, da sie auch zu Ihren Seiten gut passen“. Dass damit nur die Resteverwertung gemeint war, war nicht ersichtlich und von mir auch nicht erwartet worden.

Tatsächlich erziele ich die Umsätze mit meinen Blogs hauptsächlich über Sponsored Posts (mit zum Inhalt passenden bezahlten und gekennzeichneten Artikeln) und Google Adsense. Da auch die Agenturen kräftig zunehmen, die in meinen Blogs Artikel „kostenlos“ platzieren möchten, habe ich nun eine Extraseite eingerichtet, auf die ich solche Anfragen verweise. Da stehen die genauen Preise, die ich für die Platzierung von Artikeln auf unseren Seite berechne. Mittlerweile erhalte ich pro Tag 20 bis 30 solcher Anfragen. Komisch, aus keiner einzigen wurde tatsächlich ein Geschäft.

Das wiederum zeigt ganz deutlich, dass diese Mails nur darauf aus sind, unbedarftere Webseitenbetreiber als kostenlose Publisher für Content zu gewinnen, der natürlich von den Kunden auch bezahlt wurde.

Sponsored Posts von Agenturen

In den letzten Jahren habe ich einige Agenturen ausprobiert, die Sponsored Posts anbieten. Allerdings habe ich schnell eingesehen, dass eine Zahlung von 6 bis 10 Euro, teilweise auch mal 20 Euro, in keinem Verhältnis zum erwarteten Aufwand steht. Und so habe das Experiment dann wieder abgebrochen.

Die Firma Trigami zum Beispiel, bot als erste zahlenden Kunden eine breite Blogberichterstattung an. Ab 5000 Euro aufwärts. Beim einzelnen Blogger kam davon aber so gut wie nichts an. Stattdessen wurde man von Angeboten überschüttet, die man sich zudem noch auf der Trigami-Webseite anzusehen hatte. So artete allein die Sichtung der Angebote bereits in (unbezahlte) Arbeit aus.

An die Artikel wurden hohe Anforderungen gestellt, gern gesehen waren auch noch selbst produzierte Bilder und Videos (!) zu den Beiträgen. Dazu ein für Suchmaschinen optimierter Text mit vorgegebenen Keywords und ein insgesamt wohlwollender Ton.

Ich habe mich dabei öfter gefragt, wer das eigentlich macht. Insbesondere für eine so geringe Bezahlung und zusätzlich zu erwarteten Pflege des eigenen Contents auf der Seite. Zunächst wurde Trigami wohl verkauft und setzte dann an Video-Ads, wo man für das aktive Starten des Videos durch einen Besucher dann 10 Cent erhalten sollte, jetzt ist die Domain verwaist.

Die Affilate-Tricks: Geld nur bei Bestellung

Im Bereich des Affiliate-Marketings gibt es nur Geld, besser gesagt Provision, wenn ein Besucher der Seite etwas bei der Firma kauft, deren Banner man eingebunden hat. Das kann gut funktionieren, wenn die Produkte oder Dienstleistungen zum Seitenangebot passen.

Aber auch hier muss man die Werbung mal aus der Sicht des Seitenbetreibers sehen: Ein Affiliate-Banner wird jedem Besucher der Webseite angezeigt. Das können, wie bei uns, tausende jeden Tag sein. Durch die Wahrnehmung des Banners (selbst wenn das eher unbewusst geschieht) wird die Marke des Werbenden Unternehmens gestärkt. Davon hast Du als derjenige, der den Platz und die Einblendungen zur Verfügung stellt, nur leider nichts. Nur wenn ein Besucher aktiv auf das Banner klickt und dann auch noch innerhalb einer kurzen Frist etwas kauft, bekommst Du die Provision. In den 99 Prozent anderen Fällen arbeitest Du kostenlos für den „Partner“.

Deswegen kommt es auch öfter vor, dass die werbenden Firmen ihre Banner nicht anpassen. Da läuft dann Ostern noch Werbung für Weihnachtsgeschenke oder im Frühjahr Werbung für Winterreifen. Hauptsache der Besucher Deiner Seite sieht möglichst häufig die Marke und idealerweise Internetadresse.

Mein Vertrauen in Affiliate-Netzwerke hat über die letzten Jahre deutlich gelitten. Zu oft wurden Bestellungen nicht gutgeschrieben, zu oft gab es Retouren, die aber in Wirklichkeit nicht stattgefunden haben. Nachweisen lässt sich das schwer – und das wissen die Affiliate-Manager auch. Und wenn mal der Nachweis gelingt, dann sind unerklärliche Softwarefehler, die aber „sofort behoben“ werden sollen.

Ein anderer Trick ist das Anpassen der Konditionen. Kaum hat man die Basnner auf seinen Seiten eingebaut, verschlechtern sich die Konditionen. Man rechnet wohl damit, dass die meisten Webmaster dann zu träge sind, die gerade mühevoll eingesetzten Codes wieder zu löschen und durch andere zu ersetzen.

Die Affiliate-Netzwerke erwarten von den Publishern, dass diese sich intensiv mit den Agenturseiten beschäftigen – oft ist das vergebene Liebesmüh. Kampagnen werden gestoppt, kaum das man sie eingebaut hat, Banner werden nicht aktualisiert und von einer Lifetime-Provision ist man auch ganz weit entfernt.

Im Endeffekt verschaffst Du als Publisher allein einer Firma einen neuen Kunden. Du erhälst (mit Glück) ein paar Cent oder Euro Provision für den ersten Auftrag. Danach ist der Kunde für Dich verloren. Er erhält nun regelmäßig Newsletter und Angebote von Deinem Partner. Nimmt er sie wahr, bekommst Du nichts mehr.

Wenn man sich das überlegt und dann die Provisionen sieht, die üblicherweise zwischen 2 und 10 Prozent für den Erstauftrag liegen, dann merkt man, dass auch dieses Geschäft sich nur für den Affiliategeber lohnt. Eine faire Provision müsste für den Erstauftrag bei mindestens 30 Prozent vom Auftragswert liegen, denn nur durch Deine Leistung hat die Firma einen neuewn Kunden gewonnen, den sie nun leichter zum Stammkunden machen kann.

Eigenvermarktung lohnt

Ich setze, wie bereits oben erwähnt, inzwischen hauptsächlich auf die Eigenvermarktung und fahre damit besser. Und falls dieser Beitrag von Bloggern gelesen wird, können diese sich gerne bei mir melden, um auch auf Online24.com aufgenommen zu werden. Ich würde mich freuen, wenn themenbezogene Blogs mit mindestens einem neuen Artikel pro Woche die Chance nutzen.

Avandy, meine Firma, bietet auch Advertorials auf großen News-Seiten, in Wochenblättern und Wirtschaftsmagazinen an. Zudem helfen wir App-Entwicklern und Publishern bei der Vermarktung ihrer Apps. Als drittes Standbein beraten wir Untrernehmen und Institutionen im Bereich Internet, Social-Media, Online-Reputation und Öffentlichkeitsarbeit.

 

 

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